Einblicke

Michael Heyer im Interview: „Kirche muss für alle da sein“

By 15. Juni 2020 No Comments

Katholisch-in-Lippstadt.de hat Michael Heyer, dem neuen Verwaltungsleiter des Pastoralen Raums Lippstadt fünf Fragen gestellt. Eine Chance den „Neuen“ an der Verwaltungsspitze kennenzulernen:

Herr Heyer, Sie sind gelernter Bankkaufmann und haben im Vertrieb gearbeitet. Sie waren viele Jahre selbständig und in ganz Deutschland unterwegs. Warum zog es Sie danach zur Arbeit im Gemeindeverband und nun in den Pastoralen Raum Lippstadt?

Michael Heyer: Ich habe nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann erst meinen Zivildienst absolviert und dann einige Semester Psychologie studiert. Dann hat es mich allerdings in den Vertrieb gezogen. Als unsere erste Tochter geboren wurde, habe ich – zu der Zeit als Vater noch völlig untypisch – Elternzeit genommen. Und zwar für volle drei Jahre. In dieser Zeit habe ich, zunächst nebenbei, einen kleinen Betrieb aufgebaut und habe auf Märkten und Veranstaltungen Lakritz verkauft. Dieser Betrieb wuchs von der kleinen Liebhaberei schnell zu einem Unternehmen. Ich war auf allen großen Volksfesten und Veranstaltungen in ganz Deutschland vertreten. Irgendwann zeigte sich mehr und mehr die Schattenseite des Erfolges: ich hatte immer weniger Zeit für meine Familie und Freunde. Andere Werte wurden mir immer wichtiger. Daher habe ich meinen Betrieb komplett verkauft. Trotz meiner vielen Abwesenheit war und bin ich immer aktiv ehrenamtlich im Soester Dom. Das zieht sich über den Auf- und Abbau der bekannten westfälischen Krippe über Aushilfe im Küsterdienst bis hin zum Kollektendienst. Eher zufällig habe ich dann erfahren, dass der Gemeindeverband einen Außendienstmitarbeiter sucht. Auf meine Bewerbung folgte sehr schnell ein Vorstellungsgespräch mit der damaligen Fachbereichsleitung in Meschede. Dieses Vorstellungsgespräch war so angenehm anders, dass ich mir die Arbeit für die Kirche sehr gut vorstellen konnte. Wenige Wochen später wurde ich dann Außendienstmitarbeiter für die Gebiete Meschede-Bestwig, Bigge-Olsberg und Korbach. Ende 2018 kam es zu einer internen Umbesetzung und man bot mir den Raum Lippstadt an. Nach einem Gespräch mit Pfarrer Wulf war mir schnell klar, dass die Zusammenarbeit gut gelingen kann und die „Chemie“ stimmt.

Sie arbeiten bereits seit Anfang 2019 als Außendienstmitarbeiter in Lippstadt. Was gefällt Ihnen an der Arbeit hier?

Michael Heyer: Von Anfang an wurde ich sehr gut hier aufgenommen. Von einem sehr guten Sekretariatsteam, engagierten Ehrenamtlichen, einem offenen Pastoralteam und sehr vielen motivierten Mitarbeitenden. Lippstadt als Stadt finde ich zudem sehr ansprechend und vielfältig. Hier kann man sich wohl fühlen. Durch die vielen Umbrüche und Veränderungen im Pastoralen Raum Lippstadt gibt es hier gerade viele Herausforderungen. Hier gilt es eine in Teilen hochmotivierte Aufbruchstimmung zu nutzen und umzusetzen genauso wie auch Zweifel, Sorgen und Ängste in dieser Zeit ernst zu nehmen und sich derer anzunehmen. Wir alle, Hauptamtliche und ehrenamtlich Engagierte können sich einbringen und etwas bewirken, etwas Neues gestalten. Es gibt innovative Projekte und Ideen, die ich hier schon begleiten durfte und auch viele, die jetzt anstehen.

Gibt es eine Kirche in Lippstadt, die einen besonderen Eindruck bei Ihnen hinterlassen hat? Wenn ja, welchen?

Michael Heyer: Die Kirchenvielfalt in unserem Pastoralen Raum ist so vielfältig wie die Menschen dahinter. Es gibt vielleicht besonders schöne und imposante Kirchengebäude und es gibt welche, die vielleicht optisch nicht so ansprechend sind. Aber das ist für mich inhaltlich nicht entscheidend. Eine Kirche hinterlässt bei mir einen besonderen Eindruck, wenn sie lebt, wenn sich um die Kirche herum etwas bewegt, wenn sich Menschen einbringen. Und davon haben wir hier sehr viele. Das hat schon jetzt Eindruck gemacht. Ich persönlich finde es sinnvoller, ein vielleicht nicht mehr schönes Pfarrheim zu renovieren, weil gerade in diesem Pfarrheim die Gemeinde lebt, als einen alten Kirchturm für viel Geld zu sanieren, nur damit er wieder schön aussieht. Natürlich freue ich mich auch, neue Projekte und Ideen in den Kirchen begleiten zu dürfen. Ganz aktuell fällt mir da die geplante Innenrenovierung der St. Michael Kirche in Lipperode ein. Hier entsteht ein moderner Innenraum mit einer komplett neuen Ausrichtung. Auf der anderen Seite gibt es auch Kirchen, die immer weniger lebendig sind und bei denen man sich die Frage nach der Zukunft stellen muss. Auch das ist eine spannende, wenn auch schwierige Herausforderung, da hier viele Emotionen mitspielen.

Was ist Ihnen selbst in Ihrem Glauben wichtig?

Michael Heyer: Mein Glaube begleitet mich schon mein ganzes Leben, mal stark, mal weniger präsent. Für mich ist gelebter und ehrlicher Glaube wichtig, weniger die „Show nach außen“.  Der Umgang miteinander, die wertschätzende Achtung voreinander zeichnen für mich den gelebten Glauben aus. Mir persönlich ist es wichtig, die Schöpfung mit all ihren Facetten zu achten und zu wahren.

Was wünschen Sie sich für die Kirchen in Lippstadt und allenorts?

Michael Heyer: Für die Kirchengemeinden in unserem Pastoralen Raum wünsche und erhoffe ich mir zunächst ein Zusammenwachsen und ein Wir-Gefühl. Für die Kirche als solches wünsche ich mir, dass sie ihren Auftrag in und für die Gesellschaft wahrnimmt. Viele Menschen distanzieren sich von den Volkskirchen, nicht nur von der katholischen. Daher sollte sich die Kirche immer wieder hinterfragen. Für die Kirche gilt es, einen Spagat zu meistern. Einerseits soll und muss die Kirche mit der Zeit gehen, andererseits soll sie Traditionen wahren. Letztlich muss Kirche für alle da sein.

Michael Heyer (r.) wird am 1. Juli 2020 Verwaltungsleiter des Pastoralen Raums Lippstadt. Der Patriot am 15.6.2020 zitiert Dechant Thomas Wulf und den neuen Verwaltungsleiter: „Als Doppelspitze bekommen wir das gut hin.“ Foto: Karin Schlüter