Unter dem Titel „Lippstädter Fashion Days – Wenn Kleidung neue Wege findet“, lud die Arbeitsgemeinschaft „Karitativ in Lippstadt“ am Wochenende zu einer besonderen Veranstaltung ein. Um eine klassische Modenschau handelte es sich dabei keineswegs, Inspirationen gab es aber eine ganze Menge.
In Lippstadt quellen die Altkleidercontainer über. Zerrissene Plastiksäcke stapeln sich davor, die wenigen gut erhaltenen Kleidungsstücke ruiniert der Regen. Beschwerden von Bürgern häufen sich. Weil immer mehr Textilien gekauft und alte Klamotten entsorgt werden, müssen Bauhof-Mitarbeiter zusätzliche Runden drehen. Auf diese Problematik aufmerksam machen wollten alle an der Veranstaltung beteiligten Akteure von Katholisch-in-Lippstadt, Caritas, SkM, SkF und KIA. Darunter auch zahlreiche Ehrenamtliche, die in den Kleiderkammern aktiv sind. Dass diese längst allen Interessierten an Secondhand-Kleidung offenstehen und nicht nur Bedürftigen, betonte Irmgard Salmen, eine der Organisatorinnen. Am Freitag nutzte sie gemeinsam mit Pastor Thomas Thiesbrummel die Gelegenheit, Bürgermeister Alexander Tschense unter anderem auf die Container-Problematik anzusprechen. Das sei ein schwieriges Thema, erklärte Tschense, wobei der Stadt „ein bisschen die Hände gebunden“ seien. Es werde zwar die Fläche für die Container zur Verfügung gestellt. Die Abholung der Kleider hätten jedoch alle Kommunen im Kreis Soest an die ESG übergeben. Diese wiederum habe einen Auftrag für die Abholung vergeben. „Rein rechtlich haben wir da gar keine Handhabe“, so der Bürgermeister. Der Baubetriebshof mache täglich Fotos, die an die ESG weitergegeben würden. Die ESG wiederum bitte jeden Tag den Dienstleister, mit dem man inzwischen schon im Streit läge, abzuräumen. „Wir als Kommune fahren jeden Tag rum, um den Kram einzusammeln. Was nicht unsere Aufgabe ist.“ Und dann geschehe, was eigentlich nicht sein soll. „Wir können es nicht dem Kreislauf übergeben und müssen es auf dem normalen Restmüllweg entsorgen.“ Das koste wiederum Geld, das jeder einzelne Bürger über die Müllabfuhr bezahle. Einen kleinen Hoffnungsschimmer lässt der Bürgermeister, der das Thema sehr ernst nimmt, aber durchblicken: „Wenn ich ein bisschen spoilern darf, dann hoffe ich, dass es im Sommer besser wird.“
Bei aller Problematik gab es aber auch etwas Humor. Dafür sorgte Birgit Lange, alias Rita Recycling. In einer hinreißenden Darbietung präsentierte sie verschiedene nützliche Dinge, die man aus Resten machen kann. Neben schicken Schals aus alten Feinrippschlüpfern, gab’s sogar Bikini-Oberteile aus abgelaufenen FFP 2-Masken. Der Bürgermeister bekam prompt eine grüne Fliege aus Stoffresten „für die kommende Schützenfestsaison“ verpasst.
Unter anderem Musik von einer hervorragenden Blues-Band, Einblicke in die Arbeit der Kleiderkammern und der ESG, das Repair-Café aus dem TAP, ein Maus-Video zum Thema für die Kleinsten, Kaffee und Kuchen, die Ausstellung „Wege einer Jeans“ und ein Upcycling-Workshop des LWL-Wohnverbundes sorgten für ein gelungenes Wochenende.
Quelle: Helga Wissing, DER PATRIOT,Ausgabe vom 16.3.26